Überblick
Seit dem 1. Oktober 2024 nimmt jede Schafhaltung der Schweiz am nationalen Moderhinke-Bekämpfungsprogramm teil (Tierseuchenverordnung Art. 228 bis 229i). Jede Haltung wird zwischen dem 1. Oktober und dem 31. März einmal amtlich beprobt; bei einem positiven Befund folgen Sperre und Sanierung.
Der Reiter Moderhinke begleitet Sie durch dieses Programm: Er hält den Betriebsstatus fest, stellt die Risikotier-Liste für die Probenahme zusammen, protokolliert die Klauenbäder und rechnet aus, ab wann die Nachprobe möglich ist.

Voraussetzungen
- Der Reiter ist auf Betrieben ohne Schafe ausgeblendet.
- Für Aus TVD aktualisieren braucht Ihr Betrieb eine hinterlegte TVD-Nummer und eine verbundene TVD.
Was Herdy nicht ist: Herdy meldet nichts an das Veterinäramt und vergibt keinen Status. Die Untersuchung führt die probenehmende Person durch, den Status vergibt die Behörde. Herdy zeigt ihn an und rechnet damit.
Betriebsstatus
Die oberste Karte zeigt Ihren aktuellen Status und was er bedeutet:
| Status | Was gilt |
|---|---|
| Frei | Tierverkehr nur mit ebenfalls freien Betrieben. Ein Zukauf aus einem nicht getesteten Bestand kostet den Status. |
| Nicht getestet | Zukauf in einen freien Betrieb ist nicht erlaubt. Ohne Ergebnis bis zum Ende der Untersuchungsperiode wird der Betrieb gesperrt. |
| Gesperrt | Einfache Sperre 1. Grades: kein Kauf, kein Verkauf, keine Bewegung ausser direkt zur Schlachtung mit rosa Begleitdokument. Keine Sömmerung. |
| Noch nicht erfasst | Herdy kennt Ihren Status nicht und kann keine Fristen rechnen. |
Darunter steht die laufende oder nächste Untersuchungsperiode mit den verbleibenden Tagen bis zum 31. März beziehungsweise bis zum 1. Oktober.
Status übernehmen
Zwei Wege stehen offen:
- Aus TVD aktualisieren holt den Status direkt aus der Tierverkehrsdatenbank. Das ist der bequemere und der zuverlässigere Weg.
- Status erfassen trägt ihn von Hand ein. Wählen Sie den Status, das Datum des Befunds und bei Bedarf eine Notiz.
Die Karte zeigt jeweils, woher der Wert stammt («Aus der TVD» oder «Manuell erfasst») und wann er zuletzt geprüft wurde.
Meldet die TVD keinen Status oder einen Wert, den Herdy nicht kennt, bleibt der bisherige Wert stehen. Herdy überschreibt nie mit einem Zweifelsfall.
Risikotier-Liste für die Probenahme
Beprobt wird risikobasiert. Das BLV gibt die Reihenfolge vor, und die probenehmende Person kennt Ihre Herde nicht: Sie tun das. Statt am Morgen des Termins aus dem Kopf zusammenzusuchen, welche Aue im Juli gehinkt hat, lassen Sie Herdy die Liste erstellen.
- Tippen Sie auf Risikotier-Liste erstellen
- Herdy zeigt, wie viele Tiere zu beproben sind und wie viele Pools daraus entstehen
- Tippen Sie auf Liste drucken und nehmen Sie das Blatt in den Stall
Wie viele Tiere
Der Stichprobenumfang richtet sich nach der Herdengrösse einschliesslich Lämmer:
- bis 20 Schafe: alle Tiere
- 21 bis 30 Schafe: 20 Tiere
- mehr als 30 Schafe: 30 Tiere
Welche Tiere und in welcher Reihenfolge
Herdy ordnet die Tiere in der vom BLV vorgegebenen Reihenfolge und nennt zu jedem Tier den Grund:
- Hinkend: klinischer Befund oder Moderhinke beim letzten Klauenschnitt
- Zukauf: aus der Zugangsmeldung in der TVD
- Ausstellung: von Hand ergänzt, denn Märkte und Ausstellungen hinterlassen keine Spur in den Daten
- Widder: unkastriertes männliches Tier
- Schlechte Klauen: auffälliger Befund beim letzten Klauenschnitt
- Zufall: zufällig ausgewählt, über alle Altersklassen
Ein Pool fasst höchstens zehn Tupfer, und die Risikotiere gehören möglichst alle in Pool 1. Herdy teilt die Liste darum gleich in Pools ein. Unter der Auswahl steht eine Reserve für den Fall, dass ein Tier nicht greifbar ist.
Wichtig: Die Proben werden vor Klauenschnitt und Klauenbad entnommen, nicht danach.
Klauenbäder erfassen
Das Bad-Protokoll ist das Dokument, das die kantonale Sanierungskontrolle sehen will. Falsche Dosierung ist einer der häufigsten Beanstandungspunkte, und ein datiertes Protokoll mit Produkt und Konzentration ist die Antwort darauf.

- Tippen Sie auf Klauenbad erfassen
- Prüfen Sie Datum, Konzentration (%), Standzeit (Minuten) und Produkt. Herdy schlägt die Werte des zugelassenen Protokolls vor.
- Tragen Sie die Anzahl Tiere ein, vorbelegt mit Ihrem Bestand an Schafen und Ziegen
- Kreuzen Sie Vorbeugendes Bad an, wenn das Bad zur Quarantäne gehört oder nach Alp beziehungsweise Ausstellung stattfand. Vorbeugende Bäder zählen nicht zur Sanierung und starten die Zehn-Tage-Frist bis zur Nachprobe nicht.
- Speichern Sie
Über Alle Klauenbäder sehen Sie das ganze Protokoll und können einzelne Einträge löschen.
Tipp: Ein Vorwaschbad mit Wasser spart im Schnitt gut drei Behandlungsbäder.
Sanierung
Fällt der Befund positiv aus, starten Sie in Herdy die Sanierung.
- Tippen Sie auf Sanierung starten
- Tragen Sie den Beginn der Sanierung und das Datum des positiven Befunds ein. Das zweite Datum bestimmt zusammen mit dem letzten Klauenbad, ab wann die Nachprobe möglich ist.
- Speichern Sie
Ab jetzt zeigt der Reiter ein Cockpit mit zwei Zahlen und zwei Knöpfen:
- Klauenbäder: «Bad 7 von ~12» mit Fortschrittsbalken. Zwölf ist ein Erfahrungswert für rund sechs Wochen bei zwei Bädern pro Woche, keine Vorgabe.
- Nachprobe: das früheste Datum, an dem Sie sich zur Nachbeprobung melden können
Darunter starten Sie ein neues Klauenbad oder eine Klauenkontrolle.
Wann die Nachprobe möglich ist
Herdy rechnet mit zwei Fristen, und massgebend ist die spätere:
- frühestens 10 Tage nach dem letzten Klauenbad
- frühestens 3 Wochen nach dem letzten positiven Befund
Zu früh anzumelden verlängert die Sperre und kostet Geld: Der Kanton übernimmt die Probenahme für die Grunduntersuchung und die erste Nachuntersuchung, ab der zweiten zahlen Sie die Laborkosten selbst.
Faustregel aus der Praxis: Sind bei allen Tieren alle Klauen abgeheilt, folgen noch zwei weitere Bäder, bevor Sie sich melden. Herden, die noch Symptome zeigen, sollten gar nicht erst beprobt werden.
Klauenkontrolle
Über Klauenkontrolle starten gehen Sie die Herde Tier für Tier durch und vergeben je Tier ein Moderhinke-Stadium von 0 bis 5:
| Stadium | Befund |
|---|---|
| 0 | Gesunde Klauen |
| 1 | Feuchte, gerötete Haut |
| 2 | Entzündete Haut, Horn geschädigt |
| 3 | Innere Klauenwand löst sich |
| 4 | Ablösung über Sohle bis Aussenwand |
| 5 | Ausschuhen |
Ab Stadium 2 gilt ein Tier als klinisch betroffen. Aus den Durchgängen entsteht die Kurve Verlauf der Sanierung: Anteil Tiere ohne Befund je Kontrolldurchgang.
Tiere ohne Besserung
Aus den Kontrollen leitet Herdy eine Liste Tiere ohne Besserung ab, mit drei Stufen:
- Beobachten: keine Besserung nach vier Bädern
- Merzen erwägen: keine Besserung nach acht Bädern
- Dringend: nach zwölf Wochen weiterhin klinische Befunde
Das ist eine Empfehlung, keine Vorgabe. Die Einzelbehandlung durch den Tierarzt ist die Alternative zum Merzen, und die Entscheidung bleibt bei Ihnen.
Sanierung abschliessen
Ist die Nachprobe negativ, tippen Sie auf Sanierung abschliessen, tragen das Abschlussdatum ein und wählen als Ergebnis «Nachprobe negativ». Wurde die Sanierung abgebrochen, wählen Sie «Abgebrochen».
Sanierungsbericht
Über Sanierungsbericht erstellen Sie das Dokument für die kantonale Kontrolle:
- Als PDF: Übersicht mit Betriebsstatus, Beginn der Sanierung, letztem positivem Befund, Anzahl Bäder und Nachprobe-Datum, dazu die Tabellen der Klauenbäder, der Klauenkontrollen und der Tiere ohne Besserung
- Klauenbäder als CSV: für die Weiterverarbeitung
Der Bericht steht bereit, sobald es eine laufende oder abgeschlossene Sanierung oder mindestens ein erfasstes Bad gibt.
Quarantäne
Die Karte Quarantäne läuft entsteht von selbst aus Ihren Zugangsmeldungen und den erfassten Bädern. Sie zeigt Tiere, die zugekauft wurden oder von der Alp kamen, mit den verbleibenden Tagen und dem Vermerk Klauenbad erfasst oder Klauenbad fehlt.
Die Frist beträgt vier Wochen, weil der Erreger ausserhalb der Klaue höchstens so lange überlebt. Sie müssen dafür nichts zusätzlich pflegen.
Biosicherheit
Am Fuss der Seite stehen die Regeln, die eine Sanierung überhaupt halten lassen. Reinfektion ist der häufigste Grund für eine gescheiterte Sanierung:
- Kein Zukauf aus nicht sanierten Herden, Status des Herkunftsbetriebs in der TVD prüfen
- Nach Markt, Ausstellung und Alp: Klauenbad und Quarantäne
- Nur Weiden nutzen, auf denen seit mindestens vier Wochen keine Schafe waren
- Beim Klauenschnitt mit gesunden Tieren beginnen, Werkzeug zwischen den Tieren desinfizieren, Horn in den Kehricht
- Ziegen im selben Bestand in Klauenpflege, Bad und Kontrolle einbeziehen
- Transportfahrzeuge nach jeder Nutzung reinigen und desinfizieren
Status eines Partnerbetriebs prüfen
Vor einem Zukauf lohnt sich ein Blick auf den Herkunftsbetrieb: Ein Tier aus einem nicht getesteten Bestand kostet Sie Ihren Status «frei».
- Legen Sie den Betrieb einmalig unter Stammdaten > Partnerbetriebe mit seiner TVD-Nummer und der Kategorie «Betrieb» an, siehe Partnerbetriebe
- Öffnen Sie ihn in der Liste, die Detailseite zeigt unten die Karte Moderhinke-Status
- Tippen Sie auf Status abfragen
Der Wert kommt live aus der TVD und wird nicht gespeichert; er gehört einem fremden Betrieb und kann sich jederzeit ändern. Die Karte erscheint nur bei Partnern der Kategorie «Betrieb», nicht bei Schlachthöfen und Alpen.
Moderhinke und Sömmerung
Nur Betriebe mit dem Status «frei» dürfen Tiere in einen Sömmerungsbetrieb verstellen. Ist Ihr Betrieb gesperrt, zeigt Herdy in der Alpplanung oben auf der Seite den Hinweis Sömmerung wegen Moderhinke nicht möglich: Es entfallen die Alpungsbeiträge, und die Sperre gilt nicht als höhere Gewalt nach Art. 106 der Direktzahlungsverordnung. Die Kantonstierärztin oder der Kantonstierarzt kann eine Ausnahme bewilligen.
Steht Ihr Status noch auf «nicht getestet», erscheint dort der Hinweis Moderhinke-Status noch offen: Lassen Sie die Untersuchung früh genug in der Periode durchführen, damit bei einem positiven Befund noch Zeit für die Sanierung bleibt. Herdy sperrt in beiden Fällen nichts, denn die Bewilligung liegt beim Kanton.
Tipp: Erfassen Sie die Klauenpflege im Behandlungsjournal konsequent, auch ohne Befund. Der Befund «Moderhinke» und auffällige Klauen fliessen in die Risikotier-Liste ein und machen die Probenahme treffsicherer.