Die wichtigsten Begriffe rund um Tierhaltung, Meldepflichten und Direktzahlungen in der Schweiz, kurz und verständlich erklärt.
TVD (Tierverkehrsdatenbank)
Die zentrale Schweizer Datenbank, in der Nutztiere und ihre Bewegungen (Geburt, Zugang, Abgang, Tod) erfasst werden. Sie dient der Rückverfolgbarkeit, etwa im Seuchenfall, und wird über agate.ch betrieben. Die Tierseuchenverordnung verlangt Geburten innert 30 Tagen sowie Zugang, Abgang und Verendung innert drei Arbeitstagen. Herdy rechnet bei den Bewegungen bewusst mit drei Kalendertagen und ist damit strenger als das Gesetz: Das angezeigte Datum ist eine Empfehlung, keine gesetzliche Frist. Die Schlachtung meldet immer der Schlachtbetrieb, nie der abgebende Betrieb. Mehr dazu unter TVD-Anbindung.
TAMV (Tierarzneimittelverordnung)
Die Verordnung, die den Umgang mit Tierarzneimitteln regelt. Sie verpflichtet Tierhalter unter anderem dazu, ein Behandlungsjournal zu führen.
Behandlungsjournal
Die Aufzeichnung aller Arzneimittel-Behandlungen: Tier, Medikament, Dosierung, Datum und Absetzfrist. Pflicht nach TAMV und bei Kontrollen vorzuweisen. Mehr dazu unter Behandlungen erfassen.
Absetzfrist (Wartefrist)
Die Zeitspanne nach einer Behandlung, während der Erzeugnisse eines Tieres nicht in die Lebensmittelkette gelangen dürfen, bis allfällige Arzneimittelrückstände abgebaut sind. Herdy führt drei getrennte Fristen: Fleisch, Milch und Organe. Die Frist beginnt am Tag nach der letzten Anwendung, das Freigabedatum ist der erste wieder erlaubte Tag. Auf Bio-Betrieben verdoppelt Herdy die auf der Packung aufgedruckte Frist. Mehr dazu unter Absetzfristen.
Bio-Behandlungsgrenze
Auf Bio-Betrieben darf ein Tier höchstens drei zählende Arzneimittelbehandlungen pro Kalenderjahr erhalten, bei Tieren mit einem produktiven Lebenszyklus unter einem Jahr nur eine. Wird die Grenze überschritten, verliert das Tier den Bio-Status und muss die Umstellungsfristen erneut durchlaufen. Nicht mitgezählt werden unter anderem Parasitenbekämpfung, Narkose- und Schmerzmittel sowie Behandlungen in staatlichen Tierseuchenprogrammen. Herdy zählt die Behandlungen je Tier mit und warnt, bevor die Grenze erreicht ist. Mehr dazu unter Behandlungen erfassen.
Moderhinke
Eine ansteckende Klauenerkrankung bei Schafen. Seit Oktober 2024 nimmt jede Schafhaltung der Schweiz am nationalen Bekämpfungsprogramm teil: Jede Haltung wird zwischen dem 1. Oktober und dem 31. März einmal amtlich beprobt. Ein Betrieb ist danach frei, nicht getestet oder gesperrt; ein gesperrter Betrieb darf keine Tiere zukaufen, verkaufen oder sömmern. Herdy zeigt den Status, stellt die Risikotier-Liste für die Probenahme zusammen und protokolliert die Klauenbäder. Mehr dazu unter Moderhinke.
RAUS (Regelmässiger Auslauf ins Freie)
Ein freiwilliges Direktzahlungsprogramm, das den regelmässigen Auslauf der Tiere ins Freie (Weide oder Laufhof) fördert. Der Auslauf muss in einem Auslaufjournal dokumentiert werden.
BTS (Besonders tierfreundliche Stallhaltung)
Ein freiwilliges Programm, das tierfreundliche Haltungssysteme im Stall fördert (z. B. eingestreute Liegeflächen, Tageslicht). Kombinierbar mit RAUS.
Auslaufjournal
Der Nachweis der Weide- und Auslauftage je Tierkategorie, verlangt von RAUS, vom Weidebeitrag und von den Bio-Richtlinien. Ein Tag muss innerhalb von drei Tagen eingetragen werden, und das Journal darf bei einer Kontrolle nicht nachgereicht werden. Wie viele Tage nötig sind, hängt von Betriebsart, Programm und Tierart ab, im Sommer etwa 26 Weidetage bei RAUS. Herdy zeigt je Kategorie, ob das Journal aktuell ist, und druckt Monats- und Jahresjournal als PDF. Mehr dazu unter Auslaufjournal.
Sömmerung
Die Haltung von Tieren auf Alpen und Sömmerungsweiden während der Sommermonate. Auf- und Abtrieb sind meldepflichtige Tierbewegungen. In Herdy ist die Sömmerung ein eigenes Modul, das den Alpsommer als Saison führt, von der Planung über die Sammelmeldungen bis zur Rückkehr des letzten Tieres. Es wird von Herdy pro Betrieb freigeschaltet. Mehr dazu unter Sömmerung.
GVE (Grossvieheinheit)
Eine Rechengrösse, mit der unterschiedliche Tierarten vergleichbar gemacht werden. Schafe und Ziegen entsprechen je nach Kategorie einem Bruchteil einer GVE; sie ist u. a. für Beiträge und Tierbestände relevant.
Ohrmarke / Doppelohrmarke
Die offizielle Kennzeichnung jedes Tieres mit einer eindeutigen Nummer. Schafe und Ziegen tragen eine Doppelohrmarke (zwei Marken mit derselben Nummer); Rinder tragen ebenfalls zwei Ohrmarken und werden beim Transport von einem Begleitdokument begleitet.
Elektronische Ohrmarke (EID) und Lesegerät
Eine Ohrmarke mit einem Funkchip, der die Nummer des Tieres berührungslos abgibt. Ein Lesegerät im HID-Tastaturmodus überträgt die gelesene Nummer wie eine Tastatureingabe an Handy, Tablet oder Computer; Herdy übernimmt sie auf jeder Seite, ohne dass Sie ein Scan-Fenster öffnen müssen. Geräte, die nur die Bluetooth-Profile SPP oder iAP anbieten, senden keine Tastatureingaben und erreichen Herdy nicht. Mehr dazu unter Lesegerät für elektronische Ohrmarken.
Erstregistrierung
Die erstmalige Erfassung eines Tieres bzw. eines Betriebs in der TVD, Voraussetzung, um Tiere überhaupt melden zu können.
Begleitdokument
Das Dokument, das Tiere bei einem Transport begleiten muss und Herkunft, Ziel und Tiere ausweist. Für Schafe erstellt Herdy es gebündelt aus der Sömmerungssaison, also ein Dokument für viele Tiere. Für Rinder entsteht es einzeln je Tier aus dem Tierprofil. Für Ziegen stellt die TVD kein Begleitdokument mehr aus; Herdy kann dafür keines erzeugen. Mehr dazu unter Saison führen.
Nutztierhalter
Wer Tiere zur landwirtschaftlichen Nutzung hält. Nutztierhalter unterstehen den Melde-, Kennzeichnungs- und Aufzeichnungspflichten.
Herdenschutz
Massnahmen zum Schutz von Nutztieren vor Grossraubtieren (z. B. Zäune, Herdenschutzhunde). Teilweise mit Beiträgen gefördert; die Massnahmen sind zu dokumentieren.
FAMACHA
Ein Bewertungsschema zur Einschätzung der Blutarmut (Anämie) bei Schafen und Ziegen anhand der Farbe des unteren Augenlids. Die Skala läuft von 1 (kräftig rot, optimal) bis 5 (fast weiss, stark anämisch). Ab Wert 4 führt Herdy ein Tier als Behandlungskandidat. So entwurmen Sie gezielt statt die ganze Herde, was Wirkstoffe vor Resistenzen schont. Mehr dazu unter FAMACHA-Score.
Body Condition Score (BCS)
Die Beurteilung der Körperkondition nach Augenschein und Griff, auf der Skala 1.0 bis 5.0 in halben Schritten, also neun Stufen. Als gesunder Bereich gilt 2.5 bis 3.5, darunter ist das Tier zu mager, darüber zu fett. Herdy zeigt den Verlauf je Tier und lässt mehrere Tiere hintereinander bewerten. Mehr dazu unter Body Condition Score.
Brunst und Brunstkontrolle
Die Brunst ist die Phase, in der ein weibliches Tier aufnahmebereit ist. Die Brunstkontrolle in Herdy rechnet aus Zykluslänge, Toleranzfenster und letzter Belegung aus, welches Tier wann eine Kontrolle braucht, und begründet jeden Eintrag der Arbeitsliste. Die Werte lassen sich je Tierart einstellen, samt Decksaison für saisonale Rassen. Mehr dazu unter Brunstkontrolle.
Deckakt und Trächtigkeitskontrolle
Ein Deckakt ist die dokumentierte Belegung eines Muttertiers, entweder als Einzeldeckung an einem Datum oder als Deckperiode über mehrere Tage. Daraus berechnet Herdy den erwarteten Geburtstermin und den Kontrollplan. Die Trächtigkeitskontrolle hält das Ergebnis der Untersuchung fest, für viele Tiere auf einmal in einer Liste mit einem gemeinsamen Untersuchungsdatum. Mehr dazu unter Deckakte erfassen und Trächtigkeitskontrolle.
Gruppe
Eine frei benannte Zusammenstellung von Tieren, in den vier Typen Produktion, Zucht, Weide und Behandlung. Gruppen helfen beim Wiederfinden und erlauben es, eine ganze Gruppe in einem Schritt zu behandeln oder zu entwurmen. Nur Weidegruppen können zusätzlich einen Standort tragen. Mehr dazu unter Gruppenverwaltung.
Partnerbetrieb
Ein Betrieb, mit dem Sie Tiere austauschen: ein anderer Tierhaltungsbetrieb, ein Schlachtbetrieb oder eine Alp. Herdy speichert TVD-Nummer und Adresse einmal und schlägt den Betrieb danach bei Zugangs- und Abgangsmeldungen zur Auswahl vor. Die Adresse lässt sich aus der TVD übernehmen. Mehr dazu unter Partnerbetriebe.
Kapazität und Jahresmaximum
Die Kapazität ist die Tierzahl, für die Ihr Abonnement gilt. Sie beantworten dafür eine einzige Frage: wie viele Tiere Sie im Jahresmaximum führen. Gezählt werden alle Tiere mit dem Status aktiv, auf der Alp oder vermisst, unabhängig vom Alter; abgegangene, verstorbene und geschlachtete Tiere zählen nicht. Massgebend ist deshalb der Frühling nach der Ablammung, nicht der Winterbestand, und Tiere auf der Alp senken die Kapazität des Heimbetriebs nicht. Mehr dazu unter Preise & Abonnement.
Rationsplan und Fütterungsjournal
Das Fütterungsjournal dokumentiert, was Ihre Tiere fressen: Futtermittel-Stammdaten, Einkäufe mit Lieferschein, Rationspläne und den Audit-Export. Ein Rationsplan hält für eine Tiergruppe über einen Zeitraum fest, welches Futter in welcher Tagesmenge gefüttert wird, wahlweise pro Tier oder pro Gruppe gerechnet. Zusammen belegen sie gegenüber Bio Suisse, IP-Suisse und der Futtermittelkontrolle, dass zugekauftes Futter und verfütterte Ration zusammenpassen. Mehr dazu unter Fütterung.
Rollen in Herdy
Jede Person auf einem Betrieb hat genau eine Rolle. Besitzer dürfen alles, einschliesslich Abrechnung, Rollen und Betriebseinstellungen. Familie ist pro Modul frei einstellbar und darf weitere Mitglieder einladen. Mitarbeiter lesen die Tiere und arbeiten in Gesundheit, Zucht und Pflege. Tierarzt liest die Tiere, schreibt in der Gesundheit und liest die Pflege. Die Abrechnung sieht ausschliesslich der Besitzer. Mehr dazu unter Team und Rollen.